Wirtshaus zum Straubinger, München
Bevor es für mich nach Australien geht, stand noch einmal ein Kaiserschmarrn-Stammtisch auf dem Programm. Schließlich muss die Schmarrn-Forschung auch während der Reise weitergehen, dann eben unter anderen klimatischen Bedingungen.
Unsere letzte Station vor dem Abflug war das Wirtshaus Zum Straubinger in der Blumenstraße, mitten in der Münchner Altstadt und nur wenige Schritte vom Viktualienmarkt entfernt. Das traditionsreiche bayerische Wirtshaus verbindet klassische Wirtshausküche mit einigen moderneren Akzenten. Auch bei den Zutaten setzt man nach eigenen Angaben auf regionale Lieferanten und Produkte aus der Umgebung.
Eine Besonderheit gibt es beim Dessert: Auf der Karte steht nicht einfach Kaiserschmarrn, sondern ausdrücklich Mandelschmarrn. Serviert wird er mit gerösteten Mandeln und hausgemachtem Apfelkompott. Die Zutaten klingen erst einmal vielversprechend. Wir schauen also mal, was die Pfanne daraus gemacht hat.
Optik und Geschmack
Auf dem Teller landet eine ordentliche Ansammlung unterschiedlich großer, teilweise recht flacher Stücke. Die Bräunung ist durchaus vorhanden: An einigen Stellen gibt es kräftig goldbraune bis dunkelbraune Bereiche, andere Stücke sind dagegen deutlich heller.
Eine gewisse Kruste ist also definitiv vorhanden. Was mir allerdings fehlt, ist die richtige Karamellisierung. Die Oberfläche sieht zwar stellenweise schön gebacken aus, aber die typischen süßlich-karamelligen Röstaromen, die ich bei einem richtig guten Kaiserschmarrn suche, bleiben aus.
Insgesamt wirkt der Schmarrn eher flach und weniger voluminös, als ich es mir wünschen würde. Ein fluffiges Bergmassiv sieht jedenfalls anders aus.
Geschmacklich fällt vor allem die kräftige Amaretto-Note auf. Das passt natürlich zum Namen Mandelschmarrn und ist durchaus eine bewusste geschmackliche Richtung. Wer Mandelaroma mag, dürfte damit wahrscheinlich seine Freude haben.
Für mich ist die Note allerdings ziemlich dominant. Dadurch rückt der eigentliche Geschmack des Schmarrns etwas in den Hintergrund. Die Kombination ist nicht schlecht, aber eben auch nicht das, was ich mir unter einem klassischen Kaiserschmarrn vorstelle.
Die Stücke haben zwar eine leichte Kruste und sind ordentlich gebacken, insgesamt fehlt mir aber die Kombination aus fluffigem Inneren und kräftig karamellisierter Außenseite. Genau das hätte dem Ganzen noch deutlich mehr Charakter gegeben.
Beilagen
Bei der Beilage gibt es diesmal erfreulicherweise wenig zu kritisieren. Das Apfelkompott ist schön stückig und bringt genau die Fruchtigkeit und Struktur mit, die ich mir dazu wünsche.
Das ist für mich definitiv besser als die vielen glatten Apfelmus-Varianten, die einem bei der Schmarrn-Recherche immer wieder begegnen. Hier hat man tatsächlich noch etwas zum Beißen und schmeckt die Apfelstücke heraus.
Auch die Kombination mit dem Mandelaroma funktioniert grundsätzlich gut. Das Apfelkompott ist für mich deshalb der überzeugendste Teil des Desserts.
Portionsgröße und Preis
Mit 13,50 € liegt der Mandelschmarrn preislich in einem Bereich, den ich für München durchaus angemessen finde.
Die Portionsgröße ist okay. Kein riesiger Berg, nach dem Hauptgang hätte ich die Portion allerdings problemlos alleine geschafft.
Fazit
Der Mandelschmarrn im Wirtshaus Zum Straubinger ist ein solides Dessert, aber für mich kein Kandidat, der besonders lange in Erinnerung bleibt.
Die kräftige Amaretto-Note ist Geschmackssache, die vorhandene Kruste kann die fehlende Karamellisierung nicht wirklich ausgleichen und auch die eher flache Konsistenz überzeugt mich nicht vollständig. Das stückige Apfelkompott ist dagegen wirklich gut und rettet für mich ein wenig den Gesamteindruck.
13,50 € sind fair und schlecht ist der Schmarrn definitiv nicht. Aber im Vergleich zu den anderen Stationen meiner bisherigen Schmarrn-Reihe fehlt mir einfach das gewisse Etwas.
Die Suche geht jetzt eben Down Under weiter. Mal sehen, was Australien in Sachen Kaiserschmarrn zu bieten hat!
Geschmack: 3/5
Portionsgröße: 3/5
Beilagen: 4,5/5
Preis: 3/5
Gesamt: 13,5/20