Hacker-Festzelt, München
Passend gibt es dieses Mal eine Wiesn-Ausgabe von Schmarrn Stories, dieses Mal aus dem Hacker-Festzelt. Das Hacker ist schließlich eines der bekanntesten Zelte auf dem Oktoberfest und seit 1894 auf der Wiesn vertreten. Heute ist es vor allem für seinen „Himmel der Bayern“ bekannt. Die hellblaue Decke mit Wolken und Sternen gehört inzwischen genauso zur Wiesn wie die Maß Hacker-Pschorr. Mit rund 6.800 Sitzplätzen im Zelt und weiteren Plätzen im Außenbereich ist das Hacker außerdem eher Großveranstaltung als kleines gemütliches Wirtshaus.
Optik und Portionsgröße
Auf dem Foto sieht der Kaiserschmarrn zunächst einmal durchaus appetitlich aus. Die Stücke sind schön groß und unregelmäßig gezupft, dazu ordentlich mit Puderzucker bestäubt. An den Rändern sieht man einige schön gebräunte Stellen.
Was allerdings sofort auffällt: Die Portion ist eher klein gehalten. Gerade für 18,50 € hätte ich auf der Wiesn ehrlich gesagt etwas mehr auf dem Teller erwartet. Der Teller wirkt zwar durch die großen Stücke einigermaßen voll, tatsächlich ist die Menge aber eher überschaubar.
Auch die Farbe verrät schon ein bisschen, wohin die Reise geht: Es gibt zwar Bräunung, aber keine wirklich ausgeprägte, dunkle Karamellkruste.
Geschmack
Geschmacklich ist der Hacker-Schmarrn für ein Festzelt gar nicht schlecht. Er ist ordentlich süß, angenehm gebacken und hat durchaus ein paar schöne Röstaromen.
Was mir aber fehlt, ist die typische fluffige Konsistenz. Die Stücke sind relativ kompakt und fest. Man merkt ihnen ein bisschen an, dass hier wahrscheinlich nicht jede Portion mit der gleichen Liebe und Geduld behandelt werden kann wie beim kleinen Wirtshaus um die Ecke. Bei einer Küche, die während der Wiesn tausende Gäste versorgen muss, ist das natürlich nachvollziehbar.
Für mich gehört aber genau diese Luftigkeit zu einem richtig guten Kaiserschmarrn. Und die fehlt hier leider. Auch bei der Karamellisierung hätte ich mir mehr gewünscht. Auf dem Bild gibt es zwar einige goldbraune und leicht dunklere Stellen, insgesamt bleibt die Oberfläche aber relativ hell.
Das ist für mich ein wichtiger Punkt: Ein guter Kaiserschmarrn darf ruhig ein paar richtig schön karamellisierte Stellen haben, die beim Essen etwas knuspriger sind und einen schönen Kontrast zum weichen Inneren bilden. Beim Hacker hingegen ist dieser Effekt eher dezent.
Beilagen
Dazu gibt es Apfelmus. Auf dem Bild kommt davon eine ordentliche Portion in einem separaten Schälchen.
Das Apfelmus selbst ist für mich allerdings eher Kategorie „passt schon“. Kein Grund zur Kritik, aber auch nichts, was mir beim Essen besonders im Gedächtnis geblieben wäre. Vor allem fehlen mir - wie so oft - richtige Apfelstücke. Ein bisschen mehr Struktur und Fruchtigkeit würden dem Schmarrn gut tun.
Preis
18,50 € sind natürlich erst einmal eine Ansage. Allerdings muss man hier fair bleiben: Wir reden über das Hacker-Festzelt auf dem Oktoberfest. Dass die Preise dort nicht mit einem normalen Münchner Wirtshaus vergleichbar sind, dürfte niemanden überraschen. Die Maß kostet im Hacker 2026 bereits 15,80 €.
Für einen Kaiserschmarrn außerhalb der Wiesn würde ich 18,50 € deshalb ziemlich teuer finden. Für ein großes Festzelt ist der Preis dagegen nicht völlig aus dem Rahmen. Das Problem ist eher die Kombination aus Preis und Portion: Selbst mit Oktoberfest-Aufschlag ist mir die Portion für 18,50 € etwas zu klein.
Fazit
Der Hacker-Kaiserschmarrn ist für ein Festzelt definitiv kein schlechter Schmarrn. Geschmacklich passt das schon, die Stücke sind ordentlich gebacken und die Portion Apfelmus ist großzügig.
Aber man merkt eben auch, dass hier auf Masse produziert wird. Der Schmarrn ist relativ fest, wenig fluffig und nur mäßig karamellisiert. Genau die Dinge, die für mich einen wirklich starken Kaiserschmarrn ausmachen, fehlen dadurch etwas.
Und bei 18,50 € erwarte ich selbst auf der Wiesn dann doch ein bisschen mehr. Nicht unbedingt eine riesige Portion, aber zumindest einen Schmarrn, bei dem ich nach dem letzten Stück denke: „Dafür hat sich das gelohnt.“
Geschmack: 3/5
Portionsgröße: 2/5
Beilagen: 3/5
Preis: 2/5
Gesamt: 10/20