Klosterbräu Stüberl, Schäftlarn
Manchmal braucht es gar keinen besonderen Anlass für einen Kaiserschmarrn. Ein schöner Spätsommertag, das Fahrrad und die Aussicht auf ein kühles Bier reichen eigentlich völlig aus. Genau so bin ich auf einer Radtour von München mit Freunden an einem der vermutlich letzten wirklich schönen Tage im Klosterbräustüberl Schäftlarn gelandet.
Das Klosterbräustüberl liegt direkt gegenüber dem Kloster Schäftlarn im Isartal und ist damit ein ziemlich klassisches Ausflugsziel für Münchner. Das Kloster Schäftlarn geht auf eine Gründung um 762 zurück und wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach neu aufgebaut. Heute sitzt man hier entsprechend mit ziemlich viel bayerischer Geschichte im Rücken - und vielleicht auch mit ordentlich Hunger vor dem Teller.
Optik und Geschmack
Der Schmarrn kommt auf einem großen Teller und ist in viele eher kleine, unregelmäßige Stücke gerissen. Einige davon haben eine schöne goldbraune bis kräftig gebräunte Oberfläche, war allerdings eher weich und kompakt als luftig aufgeschichtet. Die vielen dunkleren Stellen lassen zwar auf Röstaromen hoffen, eine richtig ausgeprägte karamellisierte Kruste fehlt aber. Es gibt durchaus gebräunte Stellen - nur eben nicht diese knusprige Karamellisierung, bei der man sich automatisch das beste Stück vom Teller sichern möchte.
Konsistenzmäßig schlägt der Schmarrn ziemlich stark in eine weiche Richtung ein, die Struktur ist eher zart. Fluffig im klassischen Sinne ist er für mich dagegen nicht wirklich.
Eine Sache lässt sich bei diesem Kaiserschmarrn außerdem nicht übersehen bzw. überschmecken: die Rumnote.
Der Schmarrn schmeckt ziemlich deutlich nach Rum. Für jemanden, der das mag, kann das durchaus ein Pluspunkt sein. Für mich war es allerdings etwas zu intensiv und hat den eigentlichen Geschmack des Schmarrns ziemlich stark überlagert.
Beilagen
Positiv ist, dass das Klosterbräustüberl beim Kaiserschmarrn ausdrücklich hausgemachtes Kompott serviert.
Auf dem Foto sieht der Zwetschgenröster schön dunkel und fruchtig aus und enthält ordentlich Frucht. Gerade bei den Beilagen merkt man also, dass hier nicht einfach irgendein Fertigprodukt neben den Schmarrn gestellt wird.
Allerdings war auch hier eine deutliche Rotweinnote im Spiel. Grundsätzlich finde ich die Idee gut und ein etwas kräftigerer Zwetschgenröster kann ein schöner Gegenpol zur Süße des Schmarrns sein. In diesem Fall waren mir aber sowohl der Rum aus dem Schmarrn als auch Rotwein zusammen etwas zu dominant.
Portionsgröße und Preis
Die Portionsgröße fand ich ziemlich angemessen. Es ist kein Teller, nach dem man sich fragt, ob man gerade eigentlich nur eine Vorspeise gegessen hat, aber gleichzeitig auch keine Portion, nach der man sich für den Rest des Tages nicht mehr bewegen kann.
Mit 11,90 Euro ist der Kaiserschmarrn außerdem ausgesprochen fair eingepreist. Gerade für die Lage und die Menge finde ich den Preis sehr ordentlich.
Fazit
Der Kaiserschmarrn im Klosterbräustüberl Schäftlarn ist für mich ein etwas zwiespältiger Kandidat.
Die Portion passt, der Preis ist fair und die hausgemachten Beilagen sind ein Pluspunkt. Auch die sehr weiche, eiige Konsistenz kann ihre Fans haben. Wer seinen Schmarrn besonders zart und weich mag, dürfte hier durchaus glücklich werden.
Für meinen Geschmack war er allerdings zu eiig, zu weich und vor allem zu stark von Rum und Rotwein geprägt. Dazu fehlt mir die entscheidende Karamellisierung, die aus einem guten Schmarrn für mich einen richtig guten Schmarrn macht.
Geschmack: 2,5/5
Portionsgröße: 3,5/5
Beilagen: 3/5
Preis: 4/5
Gesamt: 13/20