Dicker Mann, Regensburg

Dicker Mann, Regensburg

Manche Restaurants landen auf einer Liste, ohne dass man genau weiß, wann man sie eigentlich besuchen wird. Beim Dicken Mann in Regensburg war das bei mir tatsächlich der Fall - und zwar schon seit ungefähr acht Jahren. Damals habe ich eine alte Schulfreundin in Regensburg besucht und mir fest vorgenommen, bei der Gelegenheit auch den Dicken Mann auszuprobieren. Geklappt hat es damals nicht.

Jahre später war es dann endlich so weit. Und wenn ich schon einmal dort bin, dann natürlich nicht, ohne den Kaiserschmarrn zu testen.

Der Dicke Mann liegt mitten in der Regensburger Altstadt in der Krebsgasse, nur wenige Schritte vom Haidplatz entfernt. Das Wirtshaus ist dabei tatsächlich ein ziemlich geschichtsträchtiger Ort: Das Gebäude stammt in Teilen aus dem 14. Jahrhundert und beherbergte einst den Gasthof „Zum Blauen Krebs“, der sogar der Krebsgasse ihren Namen gab.

Optik und Geschmack

Der erste Eindruck beim Kaiserschmarrn ist ziemlich eindeutig: Hier wurde nicht an Teig gespart.

Auf dem Foto türmt sich eine wirklich große Menge auf dem Teller. Die Stücke sind teilweise ordentlich groß und relativ dick, wodurch der Schmarrn fast schon wie ein kleiner Berg wirkt. Dazu kommt eine großzügige Ladung Puderzucker und - wie es sich für die Variante hier gehört - Mandeln und Rosinen.

Beim Thema Fluffigkeit spielt der Dicke Mann definitiv in einer anderen Liga. Der Schmarrn ist extrem fluffig und hat mich tatsächlich eher an einen Soufflé-Pancake als an einen klassischen Kaiserschmarrn erinnert.

Man merkt hier ziemlich deutlich, dass ordentlich Eischnee im Spiel gewesen sein muss. Die einzelnen Stücke sind sehr luftig und weich und haben eine fast schon souffléartige Struktur. Wer beim Kaiserschmarrn genau diese leichte, luftige Konsistenz sucht, dürfte hier ziemlich glücklich werden.

Für mich persönlich ist das wahrscheinlich sogar der fluffigste Kaiserschmarrn, den ich bisher in dieser Reihe hatte.

Die Kehrseite der Medaille: Bei der Karamellisierung hätte ich mir deutlich mehr gewünscht.

Einige Stellen sind zwar schön gebräunt und geben dem Schmarrn etwas Röstaroma, insgesamt fehlt mir aber diese kräftige, karamellisierte Kruste, die für mich einen wirklich herausragenden Kaiserschmarrn ausmacht.

Gerade bei einem so fluffigen Teig wäre der Kontrast aus luftig-weichem Inneren und knusprig-karamellisierter Oberfläche eigentlich perfekt gewesen. Hier hätte die Pfanne meiner Meinung nach noch etwas länger ihren Job machen dürfen.

Beilagen

Beim warm servierten Zwetschgenröster gibt es von mir dagegen einen Daumen nach oben. Er war angenehm fruchtig und hatte eine schöne Rotweinnote, die ihm etwas mehr Tiefe gegeben hat.

Gerade zusammen mit dem sehr luftigen und süßen Schmarrn funktioniert diese leicht kräftigere, fruchtige Komponente ziemlich gut. Das ist für mich deutlich interessanter als ein komplett glatt pürierter Fruchtbrei.

Portionsgröße und Preis

Auch bei der Portionsgröße muss man dem Dicken Mann Respekt zollen. Der Teller ist wirklich groß und die Menge an Kaiserschmarrn entsprechend ordentlich.

16,90 Euro sind auf den ersten Blick sicherlich kein Schnäppchen. Wenn man allerdings die tatsächliche Menge auf dem Teller berücksichtigt, finde ich den Preis durchaus fair. Hier bekommt man definitiv keine Dessertportion, bei der man sich danach fragt, ob man eigentlich überhaupt etwas gegessen hat.

Im Gegenteil: Beim Dicken Mann muss man schon ein bisschen Hunger mitbringen - und idealerweise nicht kurz vorher noch einen Schweinebraten gegessen haben.

Fazit

Der Kaiserschmarrn vom Dicken Mann ist für mich ein interessanter Fall, weil er bei einem meiner wichtigsten Kriterien extrem stark ist: der Fluffigkeit.

Die Konsistenz ist unglaublich luftig, fast schon souffléartig, und wahrscheinlich die fluffigste Variante, die ich bisher probiert habe. Dazu kommt eine große Portion und ein guter Zwetschgenröster mit angenehmer Rotweinnote.

Was mir dagegen fehlt, ist die Karamellisierung. Gerade bei einem so luftigen Schmarrn hätte ich mir deutlich mehr knusprige, karamellisierte Stellen gewünscht.

Unterm Strich aber eine starke Vorstellung und vor allem ein Kaiserschmarrn, der sich deutlich von vielen anderen abhebt. Wenn man seinen Kaiserschmarrn lieber luftig und souffléartig als knusprig und stark karamellisiert mag, sollte man den Dicken Mann in Regensburg definitiv auf dem Zettel haben.

Geschmack: 4/5
Portionsgröße: 4/5
Beilagen: 3,5/5
Preis: 3,5/5

Gesamt: 15/20

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