Wirtshaus in Sendling, München
Das Wirtshaus in Sendling gehört zu den klassischen Münchner Wirtshäusern, die weniger auf Inszenierung als auf solide bayerische Küche setzen. Die Lage an der Albert-Roßhaupter-Straße macht es zu einer beliebten Adresse für Anwohner und Besucher aus dem Münchner Süden. Entsprechend bodenständig präsentiert sich auch der Kaiserschmarrn.
Portionsgröße & Preis
Die Portion fällt ordentlich aus und wird auf einer länglichen Platte serviert. Durch die kompakte Anrichtung wirkt sie zunächst etwas kleiner, als sie tatsächlich ist. Beim Essen zeigt sich aber schnell, dass die Menge für ein Dessert ausreichend ist.
Mit 10,90 € gehört der Kaiserschmarrn mittlerweile zu den günstigeren Vertretern in München. Gerade angesichts der Portionsgröße und der insgesamt ordentlichen Ausführung geht der Preis völlig in Ordnung.
Optik
Optisch macht der Kaiserschmarrn zunächst einen guten Eindruck. Die Stücke zeigen eine kräftige Bräunung mit teilweise schön karamellisierten Stellen. Genau diese dunkleren Bereiche sorgen später auch für einen Großteil des Geschmacks.
Auffällig ist außerdem die große Menge an Mandelstiften, die bereits auf den ersten Blick sichtbar sind. Der Puderzucker wurde klassisch darüber gesiebt.
Etwas rustikal wirkt die Struktur der Stücke. Statt der typischen luftigen, unregelmäßigen Kaiserschmarrn-Berge erinnert die Form stellenweise eher an zerteilte Pfannkuchenstücke.
Geschmack
Geschmacklich liefert der Kaiserschmarrn Licht und Schatten. Die Karamellisierung ist gelungen und sorgt für angenehme Röstaromen. Gerade die dunkleren Stellen gehören zu den stärkeren Bissen des Gerichts.
Die Mandeln sind sehr präsent und erinnern teilweise an den Geschmack von gebrannten Mandeln. Das sorgt zwar für eine eigene Note, überlagert den eigentlichen Schmarrngeschmack aber stellenweise etwas zu stark.
Was hingegen fehlt, ist die typische Leichtigkeit. Die Stücke wirken recht kompakt und erinnern eher an einen guten Pfannkuchen als an einen besonders fluffigen Kaiserschmarrn. Vermutlich wurde wenig oder kein separat geschlagener Eischnee verwendet. Dadurch fehlt etwas Volumen und Luftigkeit.
Beilagen
Serviert wird ein Apfelmus in einer separaten Schale. Optisch wirkt es sehr glatt und homogen, ohne erkennbare Apfelstücke. Geschmacklich bestätigt sich dieser Eindruck: solides Apfelmus, vermutlich zugekauft, ohne besondere eigene Handschrift.
Die kleine Garnitur mit Brombeere, Himbeere und Physalis wertet die Präsentation optisch etwas auf, trägt geschmacklich aber kaum zum Gesamterlebnis bei.
Fazit
Der Kaiserschmarrn im Wirtshaus in Sendling passt ziemlich gut zum Gesamtkonzept des Lokals: bodenständig, solide und ohne große Überraschungen.
Die gute Karamellisierung und der faire Preis sprechen für das Gericht. Gleichzeitig fehlen die Luftigkeit und die handwerkliche Raffinesse, die einen wirklich starken Kaiserschmarrn ausmachen. Die vielen Mandeln geben dem Schmarrn zwar Charakter, drängen sich aber fast etwas zu sehr in den Vordergrund.
Keine herbe Enttäuschung also, aber auch kein Grund für einen Umweg durch München. Wer ohnehin im Wirtshaus in Sendling sitzt, kann ihn guten Gewissens bestellen - für die persönliche Kaiserschmarrn-Bestenliste reicht es jedoch nicht.
Geschmack: 3/5
Portionsgröße: 3/5
Beilagen: 3/5
Preis: 4,5/5
Gesamt: 13,5/20