Midgardhaus - Augustiner am See, Tutzing
Die ersten warmen Sommertage reichten am vergangenen Wochenende aus, um sämtliche München-Pläne spontan über Bord zu werfen und an den Starnberger See zu fahren. Ziel diesmal: das Midgardhaus in Tutzing - direkt am Wasser gelegen und genau die Art von Ort, an dem plötzlich jeder Aperol doppelt so gut aussieht.
Das Midgardhaus gehört schon seit Jahren zu den bekannten Adressen am See. Historisch eher klassisches Ausflugslokal, inzwischen irgendwo zwischen gehobenem Wirtshaus, Seeterrasse und Wochenendziel für Münchner, die “mal kurz raus” wollen und dann doch zwei Stunden im Stau stehen.
Optik und Geschmack
Der Kaiserschmarrn kommt optisch fast schon etwas eleganter daher als die rustikale Hütten-Version: schön angerichtet, dekoriert mit frischen Beeren, vielen knusprigen Mandelblättchen und zwei separaten Beilagen-Schalen. Im Hintergrund der Starnberger See, vor einem die ersten Sonnenstrahlen des Jahres - besser hätte die Ausgangslage kaum sein können.
Der Schmarrn selbst überzeugt vor allem bei der Konsistenz. Schön fluffig, locker und angenehm luftig. Gerade die dickeren Stücke in der Mitte hatten fast etwas Briocheartiges. Dazu eine gelungene Karamellisierung, allerdings nicht klassisch dunkel und buttrig, sondern eher hellgolden mit leicht fruchtig-zitrischer Note, bei der sicherlich etwas Limettenabrieb mit im Spiel gewesen ist. Ungewöhnlich, aber durchaus passend zur insgesamt eher modernen Interpretation.
Beilagen
Besonders stark war das Apfelmus. Deutlich stückig, angenehm frisch und mit naturtrübem Apfelsaft eingekocht. Das hat man auch geschmeckt. Nicht dieses standardisierte Einheitsmus, sondern eher wie etwas, das man bei Familienfeiern von irgendeiner Tante in einer riesigen Schüssel auf den Tisch gestellt bekommt.
Dazu gab es ein saisonales Fruchtkompott, in unserem Fall Rhabarber. Die Idee passt natürlich sehr gut zum Setting am See, geschmacklich war das allerdings weniger mein Fall. Der säuerliche Charakter des Rhabarbers hat sich für mich etwas mit der ohnehin schon fruchtigen Süße des Schmarrns gebissen.
Portion & Preis
Die Portion ist ordentlich. Kein völliger Eskalations-Schmarrn, aber definitiv genug, dass man ihn auch gut teilen könnte - oder nach einem Hauptgericht zumindest nicht komplett sorglos bestellt.
Mit 17,90 € bewegt sich das Ganze allerdings schon deutlich im oberen Bereich. Fairerweise bezahlt man hier natürlich nicht nur den Kaiserschmarrn, sondern eben auch die Lage direkt am Wasser inklusive Postkartenkulisse.
Fazit
Das Midgardhaus liefert einen modernen, sehr gelungenen Kaiserschmarrn mit toller Konsistenz, schöner heller Karamellisierung und hervorragendem Apfelmus. Das Rhabarberkompott war nicht ganz mein Geschmack, insgesamt blieb der Eindruck aber sehr positiv.
Vor allem an den ersten sommerlichen Tagen des Jahres ist das genau die Art von Ausflug, bei der der Kaiserschmarrn fast automatisch ein bisschen besser schmeckt.
Geschmack: 4/5
Portionsgröße: 3,5/5
Beilagen: 3,5/5
Preis: 3/5
Gesamt: 14/20