Winklstüberl, München
Manchmal führen die besten Kaiserschmarrn-Spots nicht in schicke Innenstädte, sondern dorthin, wo Gartenzwerge und Laubenromantik zuhause sind. Genau so ein Ort ist das Winklstüberl München, idyllisch gelegen in einem Kleingartenverein, ein bisschen versteckt, aber genau deshalb irgendwie besonders.
Schon beim Ankommen merkt man: Hier läuft einiges ein bisschen anders. Viel Holz, gemütliche Atmosphäre, ein Publikum irgendwo zwischen Stammgast und Spaziergänger - und dann kommt direkt die erste Überraschung: Es gibt keine Getränkekarte. Wirklich keine. Stattdessen einfach die entspannte Ansage: „Sagen’s halt, was Sie wollen.“ Ein Konzept irgendwo zwischen maximaler Freiheit und leichtem Improvisationstheater (was wohl passiert wäre, wenn ich Skorpion-Vodka bestellt hätte?) - und ehrlich gesagt ziemlich unterhaltsam.
Der Kaiserschmarrn im Detail
Serviert wird klassisch in der Pfanne, großzügig mit Puderzucker bestäubt und begleitet von einer ordentlichen Portion Apfelmus. Die Menge ist wirklich stark, hier wird man definitiv satt. Für 12,80 € ist das in München fast schon verdächtig fair.
Bei der Karamellisierung zeigt der Schmarrn zwei Seiten: Viele Stücke haben eine schöne goldbraune Kruste und liefern genau das, was man sich wünscht. Gleichzeitig merkt man aber schnell, dass es innen oft etwas teigig bleibt und geschmacklich nicht ganz mithalten kann. Der Teig wirkt insgesamt eher kompakt, fast ein bisschen schwer, Fluff fehlt leider deutlich.
Beilage mit Fragezeichen
Das Apfelmus wirkt sehr glatt und dürfte eher zugekauft sein. Geschmacklich absolut in Ordnung, aber nichts, was in Erinnerung bleibt.
Und dann ist da noch dieses rote Etwas obendrauf: vermutlich eine Art Beerenmark das eine leichte Säure reinbringt. Ungewöhnlich für Kaiserschmarrn, aber gar nicht schlecht, nur eben auch kein klassischer Begleiter.
Fazit
Das Winklstüberl punktet mit Charme, einer fast schon entschleunigten Kleingarten-Atmosphäre und einem wirklich fairen Preis-Leistungs-Verhältnis. Die Portion ist groß, die Karamellisierung teilweise gelungen, aber Konsistenz und Fluff lassen Luft nach oben.
Unterm Strich: nett, solide, sympathisch schräg (allein schon wegen der Getränkekarte, die es nicht gibt), aber kein Spot, für den ich des Geschmacks wegen nochmal gezielt hinfahren würde.
Geschmack: 3/5
Portionsgröße: 4/5
Beilagen: 3/5
Preis: 4,5/5
Gesamt: 14,5/20