Restaurant Austria, Berlin
Kaiserschmarrn und Berlin - das ist erstmal keine Kombination, die sich von selbst aufdrängt. Umso spannender, wenn man genau dort zum ersten Mal einen probiert. Im Austria, einem Restaurant, das sich ganz bewusst der österreichischen Küche verschrieben hat, landet dann plötzlich ein Klassiker aus den Alpen mitten in der Großstadt auf dem Tisch.
Das Konzept des Lokals ist dabei relativ klar: traditionelle Gerichte, leicht modern interpretiert, in einem Ambiente, das irgendwo zwischen Wirtshaus und urbanem Restaurant liegt. Und mittendrin eben Kaiserschmarrn als süßer Abschluss, der sich durchaus sehen lassen kann.
Optik & Textur
Was sofort auffällt: Die Stücke sind ungewöhnlich groß. Während viele Schmarrn eher klein gezupft serviert werden, hat man hier fast schon das Gefühl, kleine Teigberge auf dem Teller zu haben.
Die Oberfläche zeigt eine deutliche Zuckerkruste, die stellenweise schön karamellisiert ist und für diese leicht glänzende, goldbraune Optik sorgt. Puderzucker wurde nicht sparsam eingesetzt, was dem Ganzen noch einmal eine klassische Note gibt.
Geschmacklich geht die Richtung klar in eine etwas andere Interpretation. Der Teig ist extrem fluffig, fast schon souffléartig. Das sorgt zwar für eine sehr luftige Textur, entfernt sich aber auch ein Stück weit vom klassischen Kaiserschmarrn, wie man ihn aus Bayern oder Österreich kennt. Für mich persönlich war das fast schon zu weit weg vom Original, auch wenn ich verstehen kann, dass genau das viele reizvoll finden. Ein bisschen wie ein Hybrid aus Schmarrn und Dessertauflauf.
Die Zuckerkruste bringt genau den nötigen Kontrast und sorgt für ein leichtes Knistern beim Reinbeißen. Dazu kommt eine dezente Karamellisierung, die dem Ganzen Tiefe gibt, ohne dominant zu werden.
Besonders interessant ist ein ganz leichter Rumgeschmack, der im Hintergrund mitschwingt. Sehr subtil, aber genau stark genug, um dem Schmarrn eine zusätzliche Dimension zu geben.
Die Beilagen: Klassisch, aber mit Twist
Das Apfelmus wirkt eher klassisch - vermutlich kein hausgemachter Star des Abends, sondern solide Begleitung.
Deutlich spannender ist der Zwetschgenröster, der eine angenehme, leicht säuerliche Note mitbringt. Gerade in Kombination mit der Süße des Schmarrns funktioniert das sehr gut und sorgt für Balance auf dem Teller.
Portion und Preis
Die Portion ist ordentlich, aber kein völliger Exzess. Nach einem Hauptgericht darf man hier ruhig noch ein bisschen Resthunger haben.
Preislich liegt der Kaiserschmarrn bei 12,50 €, was für Berliner Verhältnisse - und vor allem für diese Qualität - erstaunlich günstig ist.
Fazit
Für eine Schmarrn-Premiere in Berlin ist das im Austria definitiv ein gelungener Einstieg. Die sehr fluffige, fast schon souffléartige Konsistenz hebt ihn von vielen klassischeren Varianten ab, während Zuckerkruste und leichte Karamellisierung für die nötige Bodenhaftung sorgen.
Die Kombination mit dem leicht säuerlichen Zwetschgenröster funktioniert hervorragend, und auch der dezente Rumton bleibt positiv im Gedächtnis.
Kurz gesagt: Vielleicht nicht der traditionellste Kaiserschmarrn, aber ein ziemlich überzeugender - und ein Beweis dafür, dass man auch in Berlin sehr solide in die Welt der österreichischen Mehlspeisen eintauchen kann.
Geschmack: 3,5/5
Portionsgröße: 3,5/5
Beilagen: 3/5
Preis: 4/5
Gesamt: 14,5/20