My Happy Place, Canggu

My Happy Place, Canggu

Manchmal führt die Kaiserschmarrn-Suche an Orte, an denen man sie eigentlich nicht erwartet. In diesem Fall nach Canggu auf der indonesischen Insel Bali. Und ehrlich gesagt: Der Besuch dort war ursprünglich gar nicht geplant. Wegen des aktuellen Konflikts in der Golfregion sitze ich hier gerade etwas unfreiwillig länger fest - und verpasse damit schweren Herzens zum ersten Mal unseren Stammtisch zu Hause.

Wenn man schon fernab der Heimat festsitzt, dann kann man wenigstens schauen, wie weit sich die österreichisch-bayerische Mehlspeisenkultur in der Welt verbreitet hat. Und so landete ich schließlich im Café My Happy Place, einem dieser typischen Canggu-Spots: viel Holz, helles Licht, minimalistisch-entspannte Atmosphäre und eine Speisekarte, die irgendwo zwischen Frühstücks-Café, Brunch-Hotspot und Instagram-tauglichem Dessertparadies pendelt.

Kaiserschmarrn mit tropischem Kontext

Optisch kommt der Schmarrn zunächst überraschend ordentlich daher. Die Stücke sind sauber dreieckig geschnitten und ringförmig auf dem Teller angeordnet, in der Mitte eine kleine Glasschale mit Erdbeermus, dekoriert mit frischen Erdbeerstücken. Eine Präsentation, die eher an ein Café-Dessert als an ein rustikales Wirtshausgericht erinnert.

Der Schmarrn selbst ist schön fluffig geraten und angenehm locker – etwas, das außerhalb des deutschsprachigen Raums keineswegs selbstverständlich ist. Besonders positiv: Er ist gut zerrissen und wirkt nicht wie ein kompakter Pfannkuchen, sondern tatsächlich wie ein echter Schmarrn.

Was allerdings fehlt, ist eine echte Karamellisierung. Die Oberfläche zeigt zwar leichte Bräune, aber diese typische goldene Zuckerkruste, die Röstaromen und Tiefe bringt, bleibt aus.

Im Teig selbst finden sich vereinzelt Rosinen, insgesamt ist der Geschmack solide und angenehm. Für Bali tatsächlich überraschend gut. Wenn man ehrlich ist, habe ich in Deutschland auch schon deutlich schlechtere Versionen gegessen.

Erdbeer- statt Apfelmus

Die größte Abweichung vom klassischen Schmarrn-Erlebnis sind die Beilagen. Statt Apfelmus oder Zwetschgenröster wird hier ein Erdbeermus serviert. Geschmacklich ist das völlig okay, wirkt aber recht klar nach TK-Beeren zubereitet und ist natürlich eine ganz andere Richtung als die gewohnten Begleiter.

Ungewöhnlich ist es allemal - persönlich hätte ich mir hier tatsächlich eher Apfelmus oder Zwetschgenröster gewünscht, einfach weil es geschmacklich besser mit dem Gericht harmoniert.

Portion und Preis im lokalen Kontext

Die Portion fällt eher klein aus, was allerdings in Indonesien nichts Ungewöhnliches ist. Generell sind die Portionsgrößen hier deutlich moderater als in bayerischen Wirtshäusern.

Der Preis liegt bei umgerechnet etwa 4,50 €. Aus deutscher Perspektive wirkt das natürlich extrem günstig - in München bekommt man dafür nicht einmal das Apfelmus zum Schmarrn. Für lokale Verhältnisse ist das Gericht allerdings eher im oberen Preissegment angesiedelt.

Fazit

Gemessen am deutsch-österreichischen Kaiserschmarrn-Standard fehlt es diesem Exemplar vor allem an der entscheidenden Karamellisierung, die einem wirklich guten Schmarrn Struktur und Tiefe verleiht. Die ungewöhnliche Erdbeerbeilage entfernt ihn zusätzlich ein Stück von der klassischen Interpretation.

Trotzdem bleibt ein insgesamt überraschend solider Kaiserschmarrn: fluffig, ordentlich zerrissen und geschmacklich angenehm. Für einen Teller Schmarrn, der mehr als 11.000 Kilometer von seiner kulinarischen Heimat entfernt serviert wird, schlägt er sich erstaunlich gut.

Und wenn man ohnehin gerade unfreiwillig etwas länger auf Bali feststeckt und dabei auch noch den heimischen Stammtisch verpasst, dann ist ein Teller Kaiserschmarrn in tropischer Umgebung plötzlich gar keine schlechte Sache.

Geschmack: 3/5
Portionsgröße: 2/5
Beilagen: 2,5/5
Preis: 5/5

Gesamt: 12,5/20

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