Görreshof, München

Görreshof, München

Der Görreshof ist eines dieser Wirtshäuser, bei denen man sofort merkt: Hier wurde schon gegessen, getrunken und diskutiert, lange bevor Foodblogs ein Ding waren. Das Traditionswirtshaus existiert seit Ende des 19. Jahrhunderts, wurde ursprünglich von der Augustiner Brauerei gebaut und hat laut eigener Geschichte zwei Jahrhundertwenden, Kriege, Krisen und sogar Münchner Schickeria überlebt - und ist trotzdem ein klassisch-bayerisches Original geblieben.
Bis heute steht der Görreshof für bayerische Küche, viel Holz, viel Gemütlichkeit und dieses „Hier kannst du stundenlang sitzen bleiben“-Gefühl, das gute Wirtshäuser einfach ausmacht.

Der Kaiserschmarrn

Optisch kommt der Schmarrn rustikal daher, serviert in einer schwarzen Pfanne, großzügig mit Puderzucker bestäubt. Die Stücke wirken eher kompakt und erinnern von der Struktur tatsächlich ein bisschen an belgische Waffeln: außen stabil, innen weniger fluffig als man es von Top-Schmarrn kennt.

Die Karamellisierung ist gelungen: goldbraune Oberfläche, schöne Röstaromen, ohne ins Bittere abzudriften. Geschmacklich merkt man außerdem eine ausgeprägte Vanillenote und eine leichte Rum-Note - spürbar, aber angenehm im Hintergrund. Genau so, dass man denkt: „Ah, da ist was“, ohne dass es die Bühne komplett übernimmt.

Was ein bisschen fehlt, ist die Luftigkeit. Der Teig war eher fest, nicht trocken, aber eben nicht dieser federleichte Wolken-Schmarrn, den man manchmal bekommt. Kritik - aber wirklich auf hohem Niveau.

Beilagen

Das Apfelmus wirkt nicht stückig, eher glatt, insgesamt aber trotzdem frisch und nicht künstlich süß. Kein Highlight, aber absolut solide. Beim Zwetschgenröster hingegen wird’s besser: schöne kleine Fruchtstücke, angenehm fruchtig, gute Balance zwischen Süße und Säure. Macht Spaß zum Kombinieren mit den karamellisierten Schmarrn-Stücken.

Portionsgröße & Preis

Die Portion ist eher überschaubar. Nicht winzig, aber für den Preis von 16,90 € definitiv auf der teureren Seite. Hier zahlt man auch Atmosphäre, Tradition und Lage mit.

Ein Detail, das man so in keinem Foodblog-Template findet: Eines unserer größten Stammtisch-Anhänger hatte tatsächlich ein kleines Stück Glas in seiner Portion. Wo das herkam - keine Ahnung. Küche, Glas, Transport, Universum - wir können nur spekulieren.

Und ja… wir haben den Schmarrn trotzdem ratzeputz aufgegessen.
Vielleicht nicht textbook Food Safety - aber in der Gruppe hungriger Schmarrn Stories-Fans gewinnt manchmal einfach der Hunger gegen die Vernunft.

Fazit

Der Görreshof liefert einen ehrlichen, gut karamellisierten Wirtshaus-Kaiserschmarrn mit schöner Aromatik, kleinen Schwächen bei Fluffigkeit und Portion/Preis-Verhältnis.

Ist das der Schmarrn, für den man quer durch München fährt?
Wahrscheinlich nicht.

Ist es ein Schmarrn, den man hier gerne bestellt, wenn man sowieso im Görreshof sitzt, Augustiner trinkt und das Leben diskutiert?
Absolut.

Geschmack: 4,5/5
Portionsgröße: 2,5/5
Beilagen: 3,5/5
Preis: 2,5/5

Gesamt: 13/20

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