DAS GRASECK, Garmisch-Partenkirchen

DAS GRASECK, Garmisch-Partenkirchen

Manche Kaiserschmarrn entstehen aus spontanen Wirtshausbesuchen. Andere dagegen aus deutlich luxuriöseren Umständen. In diesem Fall war der Anlass ein Geburtstagsgeschenk: ein Day-Spa im Wellnesshotel Das Graseck oberhalb von Garmisch-Partenkirchen.

Schon die Anreise setzt den Ton. Das Hotel liegt abgeschieden oberhalb der berühmten Partnachklamm und ist tatsächlich nur per Gondel erreichbar. Wer also einen Kaiserschmarrn essen möchte, muss zuerst ein paar Minuten über Baumwipfel schweben. Ein logistischer Aufwand, der in der Welt der Mehlspeisen eher selten vorkommt.

Nach einigen Stunden Sauna, Bergblick und der sehr entspannten „Wellness-Welt“-Atmosphäre stellte sich schließlich die entscheidende Frage: Wie gut kann ein Kaiserschmarrn sein, der in einem Spa-Hotel serviert wird?

Optik & Geschmack

Schon beim Servieren fällt auf, dass hier mit dem Gericht durchaus ernsthaft umgegangen wird. Der Schmarrn kommt auf einem dunklen Teller angerichtet, großzügig bestäubt mit Puderzucker und dekoriert mit ein paar frischen Beeren. Dazu wird eine separate Schale mit Apfelkompott gereicht.

Die Stücke sind relativ groß und unregelmäßig zerrissen – genau so, wie es sein soll. Besonders auffällig ist die schöne goldbraune Oberfläche: Die Karamellisierung ist deutlich erkennbar und zieht sich über viele der Stücke. Das sorgt schon optisch für Vorfreude.

Beim ersten Bissen bestätigt sich der positive Eindruck. Der Teig ist sehr fluffig und luftig, fast schon federnd. Man merkt sofort, dass hier mit ordentlich aufgeschlagenem Ei gearbeitet wurde.

Die Karamellisierung ist gut gelungen und bringt eine angenehme Süße und leichte Röstaromen. Allerdings bleibt der Schmarrn insgesamt eher weich - eine wirklich knusprige Oberfläche, wie sie manche Wirtshäuser erreichen, gibt es hier nicht. Das ist aber weniger ein Fehler als eine Stilfrage.

Geschmacklich spielt der Schmarrn jedenfalls ziemlich weit vorne mit. Die Balance aus Süße, Teigstruktur und Butteraromen passt sehr gut zusammen.

Die Beilage: Apfelkompott mit Charakter

Statt klassischem Apfelmus gibt es hier Apfelkompott mit sichtbaren Stücken. Das erweist sich als sehr gute Entscheidung.

Die Apfelstücke haben noch Struktur und sind angenehm weich gekocht. Besonders positiv fällt eine deutliche, aber nicht aufdringliche Zimtnote auf, die hervorragend zum Schmarrn passt. Insgesamt ist das Kompott deutlich spannender als das oft servierte Standard-Apfelmus.

Portion und Preis

Die Portion ist solide. Wer ihn nach einem Hauptgericht bestellt, sollte schon noch etwas Hunger mitbringen.

Der Preis liegt bei 17 € und gehört damit definitiv nicht zur günstigen Kategorie. Andererseits: Wer ohnehin einen Day-Spa in einem Berg-Wellnesshotel besucht, wird sich von dieser Preisgestaltung vermutlich nicht überraschen lassen.

Fazit

Der Kaiserschmarrn im Graseck ist ein sehr gelungenes Exemplar. Besonders die fluffige Textur und die schöne Karamellisierung machen ihn geschmacklich zu einem der stärkeren Vertreter.

Das Apfelkompott mit seinen stückigen Äpfeln und der feinen Zimtnote ergänzt den Schmarrn hervorragend und hebt ihn zusätzlich vom Standard ab.

Kurz gesagt: Für einen Kaiserschmarrn, für den man erst mit einer Gondel in die Berge fahren muss, liefert die Küche erfreulich überzeugend ab. Und irgendwo zwischen Sauna, Bergblick und Puderzucker merkt man dann, dass Kaiserschmarrn offenbar auch im Wellnesskontext erstaunlich gut funktioniert.

Geschmack: 4,5/5
Portionsgröße: 3,5/5
Beilagen: 4,5/5
Preis: 2/5

Gesamt: 14,5/20

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